Warum ist antizyklisches Marketing
jetzt notwendig?
Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten
stellen sich Unternehmen oft die Frage, ob Investitionen
ins Marketing gekürzt oder gar eingestellt werden. Auf den
ersten Blick sind derartige Überlegungen notwendig, um Kosten
zu sparen. Unternehmen sind in solchen Zeiten unter Druck
und oft werden als erstes die internen und externen Marketingaktivitäten
gekürzt.
Aus Marketingsicht und langfristig ist dies aber nicht zu
empfehlen und strategisch schon gar nicht. Es gibt einleuchtende
und logische Gründe, Marketingausgaben in schwierigen Zeiten
beizubehalten oder gar zu steigern, denn antizyklisches
Marketing ist, wenn sinnvoll eingesetzt, sehr erfolgreich.
Nachfolgend die stärksten Argumente für antizyklisches Marketing:
Werbewirkung
Nun gut, viele Unternehmen sparen dennoch in schlechten
Zeiten am Marketing. Aber gerade diese Tatsache erweist
sich als vorteilhaft für das Unternehmen, das antizyklisches
Marketing betreibt.
Warum?
Es erhöht sich automatisch die Aufmerksamkeit der umgesetzten
Kommunikationsmaßnahmen. Da weniger Unternehmen werben,
genießt die Werbemaßnahme, sei es online oder offline, mehr
Interesse. Natürlich muss die Werbemaßnahme nach wie vor
geschliffen, ansprechend und zielgruppengenau sein, es darf
nicht der Fehler gemacht werden, nachlässig zu sein. Die
in Krisenzeiten eingesetzten Kommunikationsmaßnahmen sind
daher effektiver, da die Mitbewerber ja weniger aktiv sind.
Angebliche Personalersparnis
Ein weiterer Schritt, den viele Unternehmen in wirtschaftlich
schlechten Zeiten gehen, ist das Kündigen der Marketingmitarbeiter
bzw.das Freisetzen ganzer Marketingabteilungen und das Beenden
der Zusammenarbeit mit den Marketingdienstleistern. Auch
hier auf den ersten Blick ein vernünftiger Schritt, um Kosten
zu sparen. Langfristig, mittelfristig und sogar kurzfristig
aber der falsche Weg.
Warum?
Die Wirtschaftszyklen werden immer kürzer. Früher dauerte
es vom Abschwung zum Aufschwung Jahre. Heute sind es teilweise
nur noch Monate. Wenn ein Unternehmen am Anfang der Krise
dann z.B. die Marketingabteilung auflöst und nur Monate
später beim Aufschwung wieder Marketingpersonal einstellt,
dann rechnet sich das nicht mehr. Wie jeder inzwischen weiß,
dauert die Einarbeitungszeit für Marketingpersonal und Marketingdienstleister
je nach Produkt mehrere Monate. Diese Zeit wird benötigt,
bis sich ein Gefühl für den Markt, die Kunden und das Produkt
einstellt. In dieser Einarbeitungszeit arbeitet das neue
Marketing logischerweise nicht effektiv, produziert nur
Kosten und das zwischenzeitlich Brachgelegene muss erneut
kostenaufwendig auf- bzw. nachgearbeitet werden. Die Kosten
dafür sind dann höher, als wenn man die bisherige Marketingabteilung
und Dienstleister nicht aufgelöst hätte bzw. einige Mitarbeiter
nicht freigestellt hätte. Die „Behaltenen“ im Marketing
sind dann zwar in der Krisenphase ein Kostenfaktor, aber
sie müssen nicht wieder teurer eingearbeitet werden, es
geht kein Wissen verloren, Fristen können eingehalten werden
und in der Krisenphase kann das beibehaltene Marketing auch
Akzente setzen und kreativ sein, ohne groß zu investieren.
Marktführerschaft
Wie oben in dem Punkt Werbewirkung erwähnt, kann ein gutes
Werbekonzept in Krisenzeiten mehr Erfolg bringen als in
Boom-Zeiten, in denen jedes Unternehmen Werbung durchführt.
Ein weiterer positiver Effekt daraus ist die mögliche Marktführerschaft.
Warum?
Unternehmen, die in Krisenzeiten konsequent und clever Kommunikationsmaßnahmen
(Werbung, Internet, PR, Messen usw.) umsetzen, erhalten
mehr Zuspruch und Aufmerksamkeit als die Unternehmen, die
das nicht machen - logisch. Das führt aber teils so weit,
dass die Wahrnehmung der untätigen Mitbewerber verblasst
und ins Vergessen geraten kann, bis hin zum schwächen deren
Marke(n). Die Konsumenten wenden sich dem werbenden Unternehmen
zu und stärken dessen Marktanteil bis hin zur Marktführerschaft.
Konsumenten sind oft sehr wankelmütig und erinnern sich
daher nicht mehr an Werbung vor einem Jahr, sondern an das,
was Sie erst kürzlich erblickt oder gehört haben; und das
beeinflusst natürlich das Kaufverhalten.
Kreative Ideen
In Krisenzeiten ruht das Geschäft oftmals bzw. aufgrund
der fehlenden Auftragseingänge steht nicht so viel Arbeit
an. Das gilt auch für das Marketing. Daher ist jetzt die
Zeit für kreative Ideen anstatt für Entlassungen.
Warum?
Oftmals werden kreative Ideen, von denen das Marketing lebt
und leben muss in boomenden Zeiten nicht umgesetzt, da das
tägliche Geschäft es nicht erlaubt. Eine wirtschaftliche
Krise kann für das Marketing durchaus Vorteile im Bereich
Kreativität besitzen. Jetzt ist endlich die Zeit kreative
Ideen anzustoßen, die viel zu lange in der Schublade schlummerten.
Außerdem kann das Ersinnen und Umsetzen von solchen Ideen
Vorteile bringen, wie in den Kapiteln Marktführerschaft
und Werbewirkung bereits besprochen.
Abschließend ist zu erwähnen, dass antizyklisches Marketing
zu lange vernachlässigt wurde sowie die damit verbundenen
Vorteile. Marketing in wirtschaftlich schweren Zeiten kann
die Lösung sein, um die Krise zu bestehen und um aus der
Krise unbeschadet hervorzugehen.
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© Jürgen Stallbommer 01/2009